Leitzinserhöhung der Federal Reserve in den USA - Auswirkungen in Deutschland

Leitzinserhöhung der Federal Reserve in den USA

Auswirkungen der US-amerikanischen Leitzinserhöhung auf Darlehensverträge – Bald Finanzkrise „reloaded“ für deutsche Darlehensnehmer?

Am 15.03.2017 hob die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, erwartungsgemäß den amerikanischen Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf nunmehr zwischen 0,75 und 1 Prozent an. Diese Erhöhung stellt den dritten Zinsanstieg innerhalb von eineinhalb Jahren dar, nachdem in Folge der Finanzkrise von 2007, die unter anderem auf Grund des Platzens der Immobilienblase in den USA entstand, die Fed eine siebenjährige Nullzinspolitik betrieben hatte. Des Weiteren kündigte die Federal Reserve an, bis 2018 fünf weitere Zinserhöhungen vorzunehmen. Dies unter der Voraussetzung, dass die US-Wirtschaft weiter fluoriert. Laut Notenbankchefin Janet Yellen soll so bis 2019 ein Zinsniveau von 3 Prozent erreicht werden.

Auswirkungen der Leitzinserhöhung auf Deutschland

Vorerst hat die US-amerikanische Leitzinserhöhung keine direkten Auswirkungen auf die Zinspolitik in Europa. Auf indirektem Wege betrifft die Erhöhung des Zinses in den USA aber dennoch deutsche Darlehensnehmer. Durch die steigenden Leitzinsen in den USA steigen ebenso die Zinsen für Anleihen. An diesen orientieren sich die Baukredite in Deutschland, sodass sich hier das Zinsniveau korrespondierend erhöhen wird.

So stiegen mit der ersten Zinserhöhung vom 16.12.2015 nach der langen Nullzinsperiode die Baukredite in Deutschland von 0,7 auf die heutigen 1,1 Prozent an. Mit den weiteren prognostizierten Zinserhöhungen der Fed wird hier eine weitere Steigerung der Baukreditzinsen zu beobachten sein. Ferner wird es durch die Zinspolitik der US-Notenbank für die Europäische Zentralbank (EZB) zunehmend schwieriger werden, ihre Nullzinspolitik weiter fortzusetzen. Mario Draghi, Präsident der EZB, hatte noch am 09.03.2017 bestätigt, dass die EZB am Nullzinskurs und der praktischen Staatsfinanzierung durch Staatsanleihekäufe weiter festhalten wolle. Wie lange dies noch möglich sein wird bleibt abzuwarten.

Entwicklung und Auswirkung für deutsche Darlehensnehmer

In den letzten Jahren führten die attraktiven Zinskonditionen auf dem europäischen und insbesondere deutschen Kapitalmarkt zu einem anhaltenden Boom auf dem Immobilienmarkt in Deutschland. Der Traum von Eigenheim oder der im Wert steigenden Immobilie als Kapitalanlage wurde durch niedrig verzinste Darlehen für viele erschwinglich auch verhältnismäßig finanzschwache Käufer erschwinglich.

„Die meisten Darlehen werden nach zehn Jahren in Bezug auf die Zinsen neu verhandelt, um bei Langzeitdarlehen Veränderungen der Zinslage zu berücksichtigen“, erklärt der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Partner der Kanzlei AdvoAdvice Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB, Kim Oliver Klevenhagen. „Durch die nun wohl anstehenden Zinserhöhungen werden für viele Darlehensnehmer somit bald auch ihre bereits aufgenommenen Kredite teurer werden. Dies kann für viele, die auf ein Fortbestehen der Niedrigzinslage vertraut haben und für die eine Zinserhöhung finanziell nicht verkraftbar ist, schwerwiegende Folgen haben“, so Rechtsanwalt Kim Oliver Klevenhagen, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. Des Weiteren ist es möglich, dass durch die steigenden Zinsen die Kapitalanlage in normalen Bankkonten wieder attraktiver wird, während Baukredite an Attraktivität verlieren. Dies würde dazu führen, dass der Wert von Immobilien wieder sinkt.

Rechtsanwalt Kim Oliver Klevenhagen gibt zu denken: „Was wenn durch die steigenden Zinsen beispielsweise bei Neuverhandlung von Baukrediten die Kosten für diese steigen und parallel der Wert der durch den Kredit finanzierten Immobilien sinkt, liegt auf der Hand, dass für Darlehensnehmer, die bei ihrer Finanzplanung von niedrig bleibenden Zinsen ausgingen und daher eine Zinserhöhung ohnehin nur schwer oder gar nicht bewältigen können, diese Entwicklungen wirtschaftlich ruinöse Folgen haben können.“ Betroffene sollten nicht abwarten, sondern frühzeitig einen spezialisierten Fachanwalt aufsuchen, der die bestehenden Darlehen überprüft und gegebenenfalls eine Strategie erarbeitet um einen großen privat-ökonomischen Schaden zu vermeiden. „Häufig wenden sich besorgte Darlehensnehmer an uns, um nach gescheiterten Darlehensengagements Verhandlungen mit Banken zu führen. Oft können wir hier erfolgreiche und wirtschaftlich sinnvolle Sanierungslösungen für unsere Mandanten erreichen.“, berichtet Fachanwalt Klevenhagen.

Fazit: Leitzinserhöhung – Langzeitdarlehensnehmer – Konsequenzen?

Es ist davon auszugehen, dass die Folgen der durch die jüngste Leitzinserhöhung bestätigten neuen Zinspolitik der Federal Reserve in Deutschland nicht lange auf sich warten lassen werden. Hierbei müssen vor allem Langzeitdarlehensnehmer prüfen, ob ihre private Wirtschaftsplanung durch die absehbare Verteuerung von bestehenden Krediten dauerhaft zu sichern ist damit keine gravierenden Konsequenzen eintreten. Laut Rechtsanwalt Klevenhagen sollten jedoch auch juristische Ansatzpunkte geprüft werden: “In vielen Fällen liegt auch ein Beratungsfehler im Vorfeld der Unterzeichnung der Darlehensvertrags vor, beispielsweise wenn über die Zinsbindungsfristen oder die Natur von Anschlussfinanzierungen nicht ausreichend aufgeklärt wurde. Tausende Darlehensverträge wurden mit der Verlockung des Niedrigzinses mit heißer Nadel gestrickt, weil Banken Beratern hohe Abschlussprovisionen anboten. Es sollte also stets geprüft werden, ob nicht auch Schadenersatzansprüche gegen Dritte geltend gemacht werden können.“

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